Genug Patienten für alle?

Wettbewerbsdenken - auch bei Heilpraktikern?

Warum Wettbewerbsdenken für Heilpraktiker keinen Sinn macht

Am 22./23.04.2017 war ich in Baden-Baden auf dem 50. Heilpraktikerkongress und habe meine „frohe Botschaft“ den Besuchern der Industrieausstellung nahegebracht.

Nämlich die Erkenntnis, dass man auch als Heilpraktiker nicht Opfer der Umstände sein muss, sondern dass man seinen Praxiserfolg pro-aktiv voranbringen kann.

Ich fragte die vorbeigehenden Heilpraktiker, ob sie mit ihrer Patientenzahl zufrieden waren. Diejenigen, die es nicht waren, waren größtenteils interessiert, von meinem Ansatz zu erfahren.

Doch es gab auch einige, die nach eigenen Angaben mehr als genug Patienten hatten.

Erschreckt hat mich folgendes:

Wenn ich dann fragte: „Gibt es denn junge Kollegen, die Ihnen am Herzen liegen, denen Sie mehr Patienten wünschen?“, waren es nur wenige, die sagten: „Ja, die gibt es. Ich werde ihnen von Ihnen erzählen.“

Die meisten sagten ziemlich schroff: „Die sollen sich selbst drum kümmern, wie Sie an Patienten kommen…“

Was geht denn hier ab?

Halten Sie mich für naiv – aber ich habe uns Heilpraktiker immer als Teil der Gesellschaft gesehen, der überdurchschnitt sozial eingestellt ist und dem das Wohlergehen Anderer wichtig ist!

Und plötzlich schlägt mir diese unerwartete Kälte entgegen. Ich beginne mich zu fragen, ob der Großteil der Heilpraktiker denkt „Wenigstens ich habe genug Patienten!“ oder ob die „natürliche Auslese“ dafür sorgt, dass vor allem egozentrische Kollegen erreichen, dass Ihre Praxen gut gefüllt sind…

Mich trifft das Thema wahrscheinlich besonders, weil ich Heilpraktikerin geworden bin, als mir die Ellenbogen-Mentalität meiner Informatiker-Kollegen zu nervig wurde und ich begann, einen Sinn im Leben zu suchen.

Dabei ist der Wettbewerbsgedanke völlig überflüssig!

Rein rechnerisch ist die Sache so:

Es gibt in Deutschland etwa 82 Millionen Menschen und 43.000 Heilpraktiker. Das sind also rund 1.900 Einwohner pro Heilpraktiker. Wenn 10% der Deutschen pro Jahr durchschnittlich 300,- € für Heilpraktikerbesuche ausgeben würden, würde es im Durchschnitt 57.000 € Umsatz pro Jahr und Heilpraktiker bedeuten. Da gar nicht jeder Heilpraktiker eine Vollerwerbspraxis haben möchte, ist dies als Durchschnitt doch gar nicht schlecht, oder?

Warum also dieser Wettbewerbsgedanke?

Spätestens seit im Jahr 1994 John F. Nash einen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bekommen hat, weil er bewiesen hat, dass Kooperation sich wirtschaftlich günstiger auswirkt als Konkurrenzkämpfe, haben die großen Konzerne die logischen Schlüsse daraus gezogen und unterstützen sich gegenseitig dabei mehr Geld zu verdienen.

Ich rufe alle Heilpraktiker und ganzheitlichen Therapeuten auf zusammenzuhalten und gemeinsam dazu beizutragen, dass wir die 10%-Quote der Bevölkerung erreichen!!!

Dazu ist es „nur“ notwendig, den Menschen endlich klarzumachen, wie sinnvoll es ist, sich ganzheitlich behandeln zu lassen.

Das ist mein persönliches Ziel, das ich mit dem Einfühlsamen Marketing verfolge.

Wie sehen Sie das?

Können Sie sich vorstellen, mit Ihren Kollegen zu kooperieren und gemeinsam mehr zu erreichen?

Bitte schreiben Sie Ihre Meinung unter diesen Artikel!

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Gabriele Ermen

Ich helfe Heilpraktikern einfach mehr Patienten zu gewinnen!

14 KommentareSchreiben Sie einen Kommentar

  • Liebe Frau Ermen,

    vielen lieben Dank für Ihren Blog-Beitrag! Ich stehe voll dahinter und empfinde es ganz genauso wie Sie!

    Und ja, ich habe auch manchmal das Gefühl, dass einige unserer Kollegen sich mit Ellenbogen-Mentalität versuchen zu behaupten. Dabei arbeitet doch jeder von uns ein wenig anders. Jeder hat etwas andere Erfahrungen, andere Methoden und so finde ich einen Austausch unter Kollegen wunderbar!

    Gerade eben hatte ich ein sehr schönes Info-Gespräch mit einem potenziellen Patienten, der mich im Internet gefunden hat, ohne zu wissen, wo ich eigentlich meinen Sitz habe. Er hätte über 1,5 Stunden fahren müssen – hin und zurück für jede einzelne Behandlung. Also habe ich mich auf die Suche nach einer Kollegin in der Nähe gemacht und habe ihn an sie weiter geleitet. Für mich ist das selbstverständlich, denn für uns sollte das Wohl unserer Patienten stehen und nicht nur alleine unser Geld. Natürlich ist das auch wichtig, damit wir selbst am Ende des Monats etwas zu essen haben, aber ich finde, wir sollten uns alle mal überlegen, warum wir früher einmal diese Strapazen des Lernens und der Überprüfung auf uns genommen haben… Bei vielen von uns wird die Menschlichkeit der Beweggrund gewesen sein! Zumindest hoffe ich das immer noch…

    Viele herzliche Grüße
    Anja Keukert

  • Hallo Gabriele,

    ich glaube ich hatte die Geschichte mit meiner Heilpraktikerin erzählt die mir ihre Bücher geschenkt hat als sie hörte, daß ich gerade mit der Ausbildung begonnen habe.
    Vor einem Jahr bot sie mir sogar an, den Teil Dorn-Breuss für sie zu übernehmen.
    Also ich kenne es nur so, daß die HPs um mich herum sich gegenseitig helfen.
    Eine weitere HP mit der ich über Lavylites zusammen gekommen bin, kann ich auch jederzeit anrufen.
    Sie hat mir auch schon Patienten zugeschickt.
    Bin ich da wirklich die positive Ausnahme? Das wäre ja erschreckend.
    Ich denke auch, daß für alle genügend Patienten da sind.

    Lieben Gruß
    Beate Wissenbach

  • Liebe Frau Ermen,
    ich bin ganz Ihrer Ansicht und glaube, dass die Vernetzung der Heilpraktiker untereinander ein großer Vorteil sein könnte. Man hätte die Möglichkeiten, sich auszutauschen und/oder sich gegenseitig zu supervidieren. Anregungen über die Erkenntnisse aus dem Ausstach mit den Kollegen ergänzen fruchtbar die eigene Arbeit. Das bereichert auf allen Ebenen.
    Beste Grüße
    Dr. Johanna Müller-Scheffsky,
    Systematische Strukturaufstellungen, HP Psych

  • DANKE für diesen schönen Artikel. Pro-aktiv und kooperativ für liebenswerte Menschen ist ein für mich stimmiger Ansatz. Gern bin ich dabei, auf die 10%-Marke zuzusteuern und diese ggf. auch zu übertreffen.
    Wenn die Menschen erst einmal ihren eigenen Wert erkannt haben und ihre Einschränkungen sich auflösen, sind sie sehr erstaunt, was da Wundervolles in Ihnen schlummerte…Herzliche kooperative Grüße, Jeannette Werk

  • Das stimmt: Konkurrenzdenken und Futterneid bringen gar nichts, sie schwächen nur energetisch und lassen den eigenen Horizont eng werden! Gemeinsam sind wir viel stärker als als Einzelkämpfer.

  • Liebe Frau Ermen,

    das sehe ich genauso – es ist genug für Alle da!
    Leider habe auch ich eine bekannte Kollegin, die ständig stöhnt, dass sie so viele Patienten hat, total erschöpft ist und es bald nicht mehr schaft. Auf mein Angebot, einige an mich zu verweisen, die in mein Therapieschema passen, hat sie nicht reagiert 🙁
    Was soll man dazu sagen….

    Beste Grüße

    Gabriele Wolf-Ganser

  • Liebe Gabriele Ermen, ich teile voll und ganz Ihre Auffassung zum Thema Konkurenzdenken. Während meiner Zeit als Krankenschwester in der Notaufnahme (immerhin insgesamt 17 Jahre) durfte ich Folgendes lernen: Wenn es um das Wohlergehen der Menschen geht, die zu uns kommen, hat das eigene EGO den Mund zu halten. Nach meiner Auffassung brauchen die meisten Patienten ihr ganz persönliches Kompetenzteam, um aus der Lage, in der sie sich befinden, heraus zu kommen. Ich empfehle gern andere Therapeuten, die die gleiche Auffassung zum Miteinander haben und mein eigenes Angebot ergänzen und ich vermiete gern einen Teil meiner Praxisräume, um neuen Kolleg(inn)en eine Startmöglichkeit zu geben. Herzliche Grüße aus Berlin! Petra Ehrhardt

  • Hallo Frau Erden, ich bin ganz Ihrer Meinung. Ich würde mich freuen, wenn Sie aber auch mal Heilpraktikerinnen schreiben würden. Ich fühle mich mit Heilpraktiker nicht gemeint. Nur wenn Frauen in der Sprache sichtbar sind, sind wir sichtbar!
    Ich bin bei Lachesis e.V- Berufsverband für Heilpraktikerinnen. Bei uns zählt das Miteinander und nicht die Konkurrenz. vielleicht haben Sie Lust mal auf die website zu schauen .
    http://www.lachesis.de
    viele Grüße
    Silke Willers

    • Liebe Frau Willers,
      verzeihen Sie mir, dass ich da keinen großen Unterschied mache. Wenn ich „Heilpraktiker“ denke, sehe ich immer eine Frau vor mir. Ganz einfach, weil ich viel mehr Heilpraktikerinnen als Heilpraktiker kenne.
      Vielleicht ist es gerade diese Selbstverständlichkeit, die bei mir dazu führt, dass ich keinen Unterschied mache und die Buchstaben einspare.
      Ich bin sicher, dass Ihr Verein für die Mitgliederinnen wichtig ist, weil Feminismus für sie ein immenser Wert ist.
      Vielleicht liegt es an meiner Vergangenheit als Informatikerin, dass ich über Geschlechterunterschiede hinwegschaue.
      Ich finde es aber wichtig, dass es Ihren Verein gibt und dass Sie sich für die Interessen einsetzen!
      Herzliche Grüße
      Gabriele Ermen

  • Am Wochenende war ich auf einer Fortbildung. Dort waren einige Anfänger-HP. So wie ich auch. Wir haben besprochen in Kontakt zu bleiben und uns regelmäßig zu treffen um einen Austausch und „Übungsobjekte“ zu haben. Einige ältere HP-Kollegen haben sich leider gar nicht mit uns unterhalten… jedoch waren auch ein paar sehr nette dabei, die meinten: Mit der Therapie habt ihr schon echt was Gutes für den Anfang an der Hand.
    Ich denke, auch unter uns HP’s gibt es Teamplayer und Einzelkämpfer. Ich bin definitiv ein Teamplayer!

  • Hallo Gabriele,
    ja den kollektiven Gedanken lässt es stellenweise vermissen. Sehr gut kann ich mir vorstellen, dass dies auch großflächig stattfindet. Da darf bei den Betroffenen wirklich nachgedacht und nachgearbeitet werden. Wir hatten die Gelegenheit, in Rüsselsheim bei unserem Kreis, kurz darüber zu sprechen – welche Möglichkeiten ein Coaching am Beginn einer Heilpraktikertätigkeit bietet, bei dem auch gegeben ist auf das Thema Marketing einzugehen. Marketing durch kollektiver Vernetzung untereinander. Hier kann ich unterstützend in Anspruch genommen werden.

  • Schönen guten Tag.Ich bin Heilpraktiker geworden, weil unsere Welt so Egoistisch und teilweise unsozial geworden ist.Als Heilpraktiker will ich anders ein.Gemeinsam ist man viel stärker und kann sich helfen. Ich habe keinen Futterneid.Es gibt genügend zukünftige Patienten für alle. Schönen Gruß. Martin frauendienst

  • Das ist ein sehr schöner Beitrag, Gabriele.
    Ich habe eine Kundin in Frankfurt, die ganz stolz ist, dass sie für ihre Faltenglättungs-Methode aus Amerika einen Gebietsschutz für Frankfurt erhalten hat.
    Ich habe ihr erklärt, dass viel mehr Menschen die Methode kennenlernen würden, wenn mehrere Kosmetikerinnen in Frankfurt diese anbieten und dafür werben würden. Schließlich ist der Markt groß genug und sie hat als Einzelkämpferin das Ziel ihre Kundenzahl von 30 auf 60 zu erhöhen.
    Ich habe ihr am beispiel Frankfurt erklärt, dass sie, wenn Sie Gebietsschutz im Sachsenhausener Kneipenviertel hätte und die einzige Kneipenbesitzerin dort wäre mit ihrer Lokalität pleite gehen würde, weil wegen einer Kneipe niemand dort hinfahren würde.
    Konkurrenz belebt also tatsächlich das Geschäft. Sie hat es zwar intellektuell eingesehen, kann aber trotzdem nicht von ihrem Gebietsschutz lassen.
    Deswegen finde ich Deine Idee so toll, Heilpraktiker dazu zu bringen an einem Strang zu ziehen und gemeinsam Großes zu erreichen.

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